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Arbeitskämpfe im globalisierten China – Parallelen und Berührungspunkte mit Europa

Während allenthalben die hohen Wachstumsraten und die Wirtschaftspolitik Chinas in den Blickpunkt von Medien, öffentlichem Interesse, und wissenschaftlicher Analyse gerückt sind, bleibt die Sicht auf die Grundlage dieser Entwicklung, auf die in der „Weltfabrik“ tätigen hunderten Millionen ArbeiterInnen meist im Hintergrund. Auch die konkreten Zusammenhänge zwischen billigen Konsumartikeln auf westlichen Märkten und der täglichen realen Arbeitswelt Chinas, ver-mittelt über globale Produktions- und Vertriebsnetzwerke, werden kaum thematisiert.

Die 1978 eingeleitete und schrittweise vorangetriebene Integration der Volksrepublik (VR) China in das Weltwirtschaftssystem war begleitet von einer grundlegenden Veränderung der Sozialstruktur. Ein wesentlicher Aspekt dieses Transformations-prozesses ist dabei das enorme Wachstum und die Neuzusammensetzung der chinesischen ArbeiterInnenklasse. So kam es auch in Folge der enormen Zunahme an ausländischen Kapitalinvestitionen zu einer massiven Verwand-lung von ländlicher in industrielle Arbeitskraft. Insbesondere seit dem Jahr 2003 ist vor diesem Hintergrund ein deutlicher Anstieg von Arbeitskonflikten zu beobachten, der vor allem auf den Widerstand einer neuen Generation der so genannten „WanderarbeiterInnen“ (nongmingong) gegen die Arbeitsbedingungen zurückzuführen ist. Diese Arbeitskonflikte, die im Jahr 2010 ihren bisherigen Höhepunkt erreichten, sind in Europa wenig bekannt und auch kaum analysiert.

Obwohl sich in der Arbeitswelt in China und Europa durch die Globalisierung bei allen historischen und institutionellen Unterschieden viele ähnliche Probleme und Konflikte ergeben, und obwohl die Konzerne ihre Entscheidungen global abstimmen und optimieren, ist die Seite der unselbständig Beschäftigten kaum international koordiniert. Es sind zwar seit wenigen Jahren Bemühungen der Kooperation zwischen gewerkschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Organisationen aus der VR China und Europa zu beobachten; diese befinden sich allerdings ebenso in einem Anfangsstadium und verbleiben in den meisten Fällen auch abgekoppelt von der Forschung. Abgesehen von einzelnen fachspezifischen Forschungen stellen interdisziplinäre und regionen-übergreifende Untersuchungen zu den Arbeitsbeziehungen in der VR China und deren Zusammenhang mit globalen Veränderungen im Bereich der Kapitalinvestitionen und Beschäftigungsverhältnisse nach wie vor Ausnahmen dar.

Die von 22. bis 24. September stattfindende Konferenz soll das Verständnis und die Analyse der Veränderung von Arbeitsverhältnisse und Arbeitskonflikten in der VR China vertiefen sowie den wissenschaftlichen Austausch über vergleichbare und miteinander verbundene Prozesse in China und Europa intensivieren. Darüber hinaus soll die Konferenz die Grundlage für weitere Kooperationen bilden. Die Tagung richtet sich nicht nur an WissenschafterInnen aus unter-schiedlichen Disziplinen, sondern auch an GewerkschafterInnen und NGO-AktivistInnen in China und Europa.


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